Abenteuerroadtrip östl. Europa - Reisebeschreibung

Für das Ziel, oder besser die Ziele des dritten Roadtrips mit dem Globetrotter war ich lange Zeit etwas unentschlossen. Letztendlich fiel die Wahl auf eine mir total unbekannte Gegend mit drei großen Gedanken. Das Dracula-Schloss in Transsylvanien sehen, Pelikane im Donau-Delta am Schwarzen Meer beobachten und Opa´s Geburtsort ausuchen. Mit diesen Zielen begann im August die Tourplanung und nun bin ich nach knapp 4 Wochen zurück von einem Abenteuerroadtrip durch Länder des östlichen Teils Europas.

 

 

Und was soll ich sagen? Die Reise führte mich mit dem Globetrotter bei knapp 7000km Strecke durch sieben Länder, über windige Gebirgspässe, durch spätsommerliche Täler, in wirklich ländliche Gegenden, entlang dichter Wälder und oft in die Nähe der Donau. Ich habe elf Burgen und diverse Festungen, Klöster und den größten Weinkeller (mit 1,5 Millionen Flaschen) der Welt besucht, tolle Wanderwege, versteckte Seen, Felsformationen und traumhafte Landschaften entdeckt, Budapest und Prag erkundet und bin bis ins Donaudelta gefahren, um Pelikane und viele andere Vögel zu beobachten. Mein persönliches tierisches Highlight war ein Weißbrustigel, der direkt neben meinem Wohnmobil auf dem Campingplatz in Budapest nach Würmern grub und sie fraß. Die interessanteste Burg war Schloss Helfstyn, gefolgt vom geheimnisvollen Schloss Bran (dem berühmten Schloss von Vlad Dracula). Das frühe Morgenlicht mit Nebel in der Sächsischen Schweiz war wirklich unwirklich. Budapest und Prag, was soll ich sagen, definitiv unter meinen Top 5 der europäischen Großstädte bisher. Das Wetter war richtig gut. Jede Menge goldenes Licht, die blaue Stunde und großartige Möglichkeiten für Langzeitbelichtungen. Ich hatte auf dieser Reise definitiv eine sehr große Vielfalt an Motiven: Städte, Landschaften, Wildtiere, Architektur. Gebirge, Berge, Pässe, Höhlen, Burgen, eine originale Dampflok (die liebe ich einfach), ein tiefes unterirdisches stillgelegtes Salzbergwerk mit zwei riesigen Kammern, Galerien, Museen und vieles mehr.
Also los geht´s… fangen wir mal vorne an.
Tagesziel: Sächsische Schweiz, geplante Strecke: 450 km in 5h, Zwischenstopps: keine; Die Fahrt gen Osten begann ruhig und gemütlich. Ab Bad Kissingen folgte ich der Autobahn bis nach Dresden und kam auf die Minute genau kurz vorm recht frühen Schließen der Zufahrtsschranken am Wohnmobilstellplatz in der Nähe der Bastei an. Nach kurzer Orientierung machte ich mich sofort mit dem Mountainbike auf, um die besten Fotolocations für den Abend und frühen Morgen an der Basteibrücke zu erkunden. Die Bastei ist eine berühmte Felsformation im Elbsandsteingebirge in der Sächsischen Schweiz, liegt rund 200 Meter über der Elbe und bietet einen spektakulären Blick auf das Elbtal und die umliegenden Sandsteinfelsen. Besonders bekannt ist die Basteibrücke, eine steinerne Brücke aus dem 19. Jahrhundert, die mehrere Felsen miteinander verbindet. Ursprünglich war sie aus Holz gebaut und wurde später durch die heutige Sandsteinbrücke ersetzt. Zum Sonnenuntergang schoben sich dicke Wolken vor die Sonne, die Aussicht und Lichtstimmung konnten sich trotzdem sehen lassen und da die Location fototechnisch gesehen aber sowie eher für berühmte Sonnenaufgänge bekannt ist, ging ich früh schlafen und stellte den Wecker auf 0500.
Tagesziel: Adersbacher Felsenstadt, geplante Strecke: 220 km in 4h, Zwischenstopps: Prebischtor, Kamnitzklamm, Hrensko; Zu früh klingelte der Wecker, also nicht für mich, sondern für die Natur. Es war noch stockfinster! Gut ausgerüstet mit Fahrrad, Stirnlampe und vollständiger Fotoausrüstung machte ich mich also im Dunkeln auf Richtung Bastei und stellt noch im Halbschlaf fest, dass aus dem Elbtal dicke Nebelschwaden aufstiegen. Verdammt, keine blaue Morgenstunde, kein klarer Sonnenaufgang … vielleicht, vielleicht aber doch irgendwie über dem Nebel. Mal sehen. Gespannt wartete ich am begehrten Aussichtspunkt, immer noch eingehüllt in eine graue feuchte Suppe. Nach einer Weile gesellten sich die nächsten Fotobegeisterten zu mir, und tatsächlich drangen die ersten Sonnenstrahlen irgendwann durch die Nebelwand und erzeugten eine wirklich mystische Stimmung. Der Kampf, Sonne gegen Nebel, immer wieder sah es so aus also ob einer gewinnen könne. Aber an diesem Morgen gab es keinen Sieger und so blieb es beim wunderbaren Zusammenspiel vom ersten Herbstlaub der Wälder und der Basteifelsen in fantastisch abwechselnden goldenen, orangenen und pinken Pastelltönen. Eine erste schöne Wanderung erwartet mich noch am Morgen kurz hinter der tschechischen Grenze. In Hrensko, ein kleines Grenzdorf an der Elbe, das als Ausgangspunkt für die Böhmische Schweiz bekannt ist, schnürte ich die Wanderstiefel um das Prebischtor anzusehen. Das imposante Felsentor ist das größte natürliche Sandstein-Felsentor Europas und entstand durch Jahrmillionen der Erosion von Wind und Wasser. Es ist etwa 26 Meter breit und rund 16 Meter hoch. Die abwechslungsreiche zweistündige Wanderung bot mir beeindruckende Ausblicke auf die umliegende Felsenlandschaft. Eine weitere Wanderung in die ebenfalls von Hrensko aus zu erreichende Kamnitzklamm hätte ich auch gerne noch unternommen, allerdings gestaltete sich die Beschaffung der Eintrittskarte etwas seltsam. Um in die Klamm zu können, muss man erst zur Touristeninformation 4 km in die andere Richtung laufen. Das passte nicht so recht zusammen. Ich erkundete stattdessen nur den auch schon sehenswerten Eingang zur Klamm und bummelte noch etwas entlang der Fachwerkhäuser durch die Gassen der Ortschaft.
Für die weitere Fahrt durch den Norden der Tschechei gab es zwei möglich Routen. Die lange über die Autobahn, oder die deutlich kürzere Strecke mit ländlichen Abschnitten und Straßen. Ich entschied mich logischerweise für den kurzen Weg. War interessant. Vor allem als die eigentlich gut ausgebaute Bundesstraße plötzlich gesperrt war und die Umleitung mich nicht wieder zurück auf eben jene führte. Mein Navi, hatte sich mittlerweile selbstständig auf den ganz ganz kurzen Weg umgestellt schickte mich also zum ersten Mal für diese Tour über Straßen, für die ich vielleicht einen anderen Unterbau gebraucht hätte. Zwischenzeitlich war die Straße einspurig, nicht mit tiefen Schlaglöchern, aber einfach mit fehlenden Teerstücken und vor allem durch ein kurzes aber tiefes Tal wirklich irgendwo im Nirgendwo. 3 Kreuze machte ich, als die Straße wieder breiter wurde. Kurz vorm Ziel gab es dann auch noch die ersten Serpentinen zu bezwingen, zum Glück mit genug PS unter der Haube. Die Ankunftszeit am nächsten Stellplatz ganz in der Nähe der Adersbacher Felsenstadt war dann trotzdem etwas später als gedacht. Nichts desto trotz, spähte ich kurz vor Sonnenuntergang die Umgebung und das Wandergebiet für den nächsten Tag noch etwas mit dem Quadrokopter aus.
Tagesziel: Burg Helfštýn, geplante Strecke: 250 km in 3,5h, Zwischenstopps: Schloss Neustadt an der Mettau; Mit dem vorab gebuchten Ticket für die Adersbacher Felsenstadt hatte ich ab 8 Uhr Einlass zu einem sehr speziellen Wandergebiet. Einer Stadt, nicht aus Beton, Mauerwerk und Stahl, sondern aus hochhaushohen Felsen. Schmale Felsspalten, enge Gassen und überraschend weite Plätze führen durch ein natürliches Labyrinth aus Sandstein, das über Jahrmillionen von Wind und Wasser geformt wurde. Benannte Felsformationen, kleine Seen, der eindrucksvolle Kiefernwald und Wasserfälle verleihen der Landschaft etwas Märchenhaftes. Gut ausgebaute Wege und Treppen ermöglichen es, dieses einzigartige Naturwunder auf einer abwechslungsreichen Rundwanderung zu erkunden. Ich konnte am frühen Morgen vor den üblichen Touristenströmen fast die ganze Strecke lang mir die besten Fotomotive und Perspektiven ansehen und die Ruhe in der Natur genießen. Die Mittagszeit verbrachte ich am Schloss Neustadt an der Mettau. Ein wirklich schönes Fotomotiv, welche zu einer anderen Tageszeit bestimmt noch eindrucksvoller gewirkt hätte. Für die schönen Abendstunden hatte ich allerdings schon die nächste Burg auf dem Zettel. Die Burg Helfštýn zählt nämlich zu den größten Burganlagen Tschechiens und thront weithin sichtbar über dem Moravatal. Ihre weitläufigen Mauern und Höfe zeugen von einer langen Geschichte als strategisch wichtige Festung und Adelsresidenz. Heute beeindruckt die Burg besonders durch die gelungene Verbindung von historischer Substanz und moderner Architektur, etwa in den behutsam renovierten Palasbauten. Helfštýn ist außerdem bekannt als Zentrum der tschechischen Schmiedekunst und Veranstaltungsort des internationalen Schmiedefestivals Hefaiston. Bei meiner abendlichen Ankunft war das schmiedeeiserne Tor logischerweise schon verschlossen, aber die schönsten Perspektive auf die Burganlage erwartet ich eh von oben und so flog ich mit der Sonne im Rücken immer wieder vor den hohen Burgmauern umher, bis ich sowohl eine paar schöne Perspektiven als auch das beste Fotolicht gefunden hatte. Nach einem wolkenlosen Sonnenuntergang samt anschließender blauen Stunde packte ich die Drohne bis zum nächsten Morgen und freute mich schon darauf, die Burg dann doch endlich von innen besichtigen zu können.
Tagesziel: Štrbské Pleso - Hohe Tatra, geplante Strecke: 300 km in 4h, Zwischenstopps: keine; Mein Wecker klingelte mal wieder gut vor Sonnenaufgang. Und auch am Morgen spielte das Wetter richtig gut mit. Ein paar schöne Fotowolken am Horizont versüßten einen wunderbar orange-rötlichen Himmel und tauchten die Festung auf den sanften bewaldeten Hügel von oben gesehen in ein tolles warmes Licht. Bei einer kurzen Wanderung rund um die Burgmauern konnte ich Buntspechten lauschen und bei ihrer Futtersuche beobachten. Ein Eichhörnchen hatte dies bereits hinter sich, und sprang flink mit zwei Eicheln im Mund durch das erste Herbstlaub. Die Rehe, welche ich schon am frühen Morgen aus dem Camper heraus beobachtet hatte, liefen mir auch erneut über den Weg, allerdings ohne, dass ich im dichten Wald eine Gelegenheit für ein paar Fotos bekommen hätte. Um 9 Uhr hatte dann der Burgherr scheinbar auch ausgeschlafen. Jedenfalls öffnete sich kurz danach das Tor und man gewährte mir Einlass. Sehr zu meiner Freude hatte ich auch hier am frühen Morgen wieder die ganze Attraktion für mich. Hinter der den Burggraben überspannenden Zugbrücke erwartete mich ein weitläufiges Ensemble aus Mauern, Höfen und Toren, das die enorme Größe der Burg sofort erahnen ließ. Schritt für Schritt öffnete sich eine Abfolge von Vorburgen und Innenhöfen, die von Jahrhunderten wechselvoller Geschichte erzählten. In den Höfen und Ausstellungsräumen begegnete ich zahlreichen Werken der Schmiedekunst – kunstvoll geschmiedete Tore, Skulpturen und Details aus Eisen, die an die lange Tradition Helfštýns als Zentrum dieses Handwerks erinnerten. Der hohe Turm diente als Aussichtsturm und belohnte den Aufstieg mit einem weiten Blick über das Moravatal und die sanften Hügel Mährens. Immer wieder gaben Fensteröffnungen und Wehrgänge den Blick auf die umliegende Landschaft frei. So wurde der Rundgang durch Helfštýn zu einer Reise durch Zeit und Raum, bei der Geschichte und Gegenwart eindrucksvoll ineinandergreifen. Zurück in eben jener Gegenwart ging die Reise für mich weiter in die Slowakei. Am frühen Nachmittag erreichte ich Štrbské Pleso im Hohe-Tatra-Gebirge. Das Bergdorf ist ein bekannter Wintersportort und liegt malerisch am gleichnamigen Gletschersee, umgeben von dichten Wäldern und schroffen Gipfeln. Schon kurz nach der Ankunft startete ich eine Wanderung, die mich über schmale Pfade, über Stock und Stein, tief hinein in die Berglandschaft führte. Besonders die freigelegten, teils bizarr verschlungenen Wurzelformen machten den Weg abwechslungsreich und fordernd. Am Ziel wartete ein glasklarer Bergsee, in dessen ruhiger Oberfläche sich die umliegenden Berge spiegelten – ein stiller, fast magischer Moment. Wieder zurück am Gletschersee genoss ich einen tollen Sonnenuntergang und ließ den Abend einfach mal so ausklingen.
Tagesziel: Zipser Burg, geplante Strecke: 70 km in 1h, Zwischenstopps: Poliankovo - Galerie; Der erste Tag mit einer kurzen Etappe startet ganz gemütlich. Unweit meines Übernachtungsplatz schaute ich mir eine Galerie mit Gemälden an. Die Poliankovo – Galerie ist ein moderner Kultur- und Ausstellungsraum, der zeitgenössische Kunst in klarer, reduzierter Architektur präsentiert. Die Galerie dient wirklich als ruhiger Gegenpol zur umliegenden Berglandschaft und verbindet Kunst, Design und die Atmosphäre der Hohen Tatra auf spannende Weise. Ehrlich gesagt hatte ich mir vorher ein wenig mehr Räume und mehr Gemälde erwartet. Die gezeigten Stücke waren allerdings alle wirklich sehenswert, so dass sich der Besuch zwar gelohnt, aber dann doch nicht lange gedauert hat. Umso früher kam ich also an der nächsten Burg an. Auch dort konnte ich mir für die Nacht einen Stellplatz direkt unterhalb der Festungsmauern sichern. Die Zipser Burg thront majestätisch auf einem baumlosen Hügel über der Stadt Spišské Podhradie und zählt zu den größten Burgruinen Mitteleuropas. Bereits im 12. Jahrhundert errichtet, diente sie über Jahrhunderte als strategischer Stützpunkt und Herrschaftssitz bedeutender Adelsfamilien. Die Burg wurde im Laufe der Zeit mehrfach erweitert, befestigt und in verschiedenen Baustilen umgestaltet, von romanischen Anfängen bis zu gotischen und Renaissance-Einflüssen. Von außen beeindruckt die mächtige Anlage mit ihren massiven Mauern, Türmen und der eindrucksvollen Lage, die einen weiten Blick über das Zipser Land und die umliegenden Berge erlaubt. Für den Nachmittag hatte ich mir eigentlich die Besichtigung der Ruine vorgenommen, allerdings hatte das Wetter andere Pläne. Ich stand gerade auf dem gegenüberliegenden Hügel um die schnell ziehenden Wolken mit einer Langzeitbelichtung einzufangen, als die ersten starken Windböen den Regen brachten. Innerhalb kürzester Zeit verwandelte sich der Regen in Hagel und ich war froh im Camper Schutz zu finden. Auf der anderen Seite löste das permanent stärker werden Prasseln der Hagelkörner auf den Solarpanelen und dem Dach schon etwas Unbehagen in mir aus. Den Nachmittag und verregneten Abend verbrachte ich also damit, ein paar Fotos der letzten Tage zu sichten und für alltägliche Camperdinge.
Tagesziel: Viseu de Sus, geplante Strecke: 470 km in 7h, Zwischenstopps: Košice, Burg Boldogkö; Zum Morgen hatte sich das Wetter beruhigt. Eine kurze Wolkenlücke gen Osten nutzte ich zum Sonnenaufgang für einen ausgiebigen Rundflug. Da auch die Kamera auf dem Stativ montiert vor mir stand, konnte ich gut mit zwei Fotolinsen fast gleichzeitig Fotos schießen und später die Luftaufnahmen mit denen vom Boden vergleichen. Die warmen Sonnenstrahlen tauchten die dicken Mauern und imposanten Türme mittlerweile in ein schönes Licht. Auf einen Besuch der Ruine verzichtete ich dann aber dennoch. Stattdessen besichtigte ich die erste Stadt meiner Tour. Noch am frühen Morgen erreichte ich Košice, die zweitgrößte Stadt der Slowakei und kulturelles Zentrum des Ostens. Die Altstadt lag noch ruhig da, fast verschlafen, während ich das Fahrrad schiebend durch die breiten Gassen und über die weitläufige Fußgängerzone schlenderte. Cafés öffneten gerade erst ihre Türen, vereinzelt waren Lieferwagen unterwegs, und die Stadt gehörte für einen Moment fast mir allein. Im weichen Morgenlicht wirkte der Dom der Heiligen Elisabeth im Zentrum der Stadt besonders eindrucksvoll. Mit der stillen Morgenstimmung von Košice noch im Kopf führte mich meine Reise weiter nach Ungarn zur Burg Boldogk?, die auf einem schmalen Felsrücken über der Ebene thront. Die im 13. Jahrhundert errichtete Festung diente einst zur Sicherung wichtiger Handelswege und wirkt schon von außen erstaunlich kompakt und wehrhaft. Besonders reizvoll erschien mir der lange, schmale Weg zur Aussichtskuppel, der sich spektakulär am Felsen entlangzieht und über das massive hölzerne Geländer hinweg immer neue Blicke auf die weite Landschaft freigibt. Im Inneren überraschte mich eine liebevoll gestaltete Miniaturwelt, die historische Szenen detailreich nachzeichnete. Ergänzt durch altertümlich möblierte Räume sowie eine große Auswahl an ausgestellten Waffen, Rüstungen und Alltagsgegenständen wurde der Besuch zu einem ebenso informativen wie unerwartet kurzweiligen Höhepunkt um die Mittagszeit. Nur ein paar Stunden später überquerte ich die zweite Landesgrenze innerhalb eines Tages. Die von mir ausgewählte Strecke führt mich im ganz im Norden Rumäniens durch eine wirklich ländliche aber scheinbar gar nicht so dünn besiedelte Region. Die Dörfer, meist nur Häuserreihen mit langem rückwärtigem Garten direkt an der gut ausgebauten Hauptstraße reihten sich fast durchgehend aneinander und so war die Fahrtgeschwindigkeit für die meiste Zeit des Nachmittags auf 50km pro Stunde festgelegt. Vereinzelt gab es Ochsenkarren zum Überholen und ein paar kurvige Abschnitte zu bewältigen. Die meiste Zeit rollte ich die dörfliche Architektur und das Treiben auf den Dorfplätzen bestaunend gemütlich vorwärts. Zwischendurch passierte ich den ersten Gebirgsrücken der östlichen Karpaten und hatte wie immer viel Spaß durch die Serpentinen zu cruisen. Und abgelegen, ganz im Norden der rumänischen Karpaten-Wälder erreichte ich den Übernachtungsplatz, einen großen Parkplatz direkt an einem Bahnhof. Hört sich komisch an? Der Bahnhof wird auch in heutiger Zeit nur von der letzten noch betriebsfähigen Wassertal-Dampflokbahn angefahren. Da kurz nach meiner Ankunft das Farbspiel am Himmel förmlich explodierte, suchte ich auch direkt nach den besten Fotomotiven und fand natürlich eine ganze Reihe ruhender Dampfrösser.
Tagesziel: Sighisoara, geplante Strecke: 320 km in 5h, Zwischenstopps: Salzbergwerk Turda, Schloss Bethlen-Haller - Jidvei; Die Wassertalbahn ist eine schmalspurige Waldbahn, die ihren Ausgangspunkt in Vi?eu de Sus hat. Sie wurde ab 1932 für den Holztransport in den schwer zugänglichen Wäldern der Maramure?-Region gebaut und war über Jahrzehnte ein wichtiger Bestandteil der regionalen Forstwirtschaft. Nach dem Niedergang des Holztransports in den 1990er-Jahren blieb die Strecke erhalten und wurde vor allem durch den Einsatz historischer Dampflokomotiven gerettet. Heute wird die Bahn überwiegend touristisch betrieben und gilt als eine der letzten regelmäßig mit Dampf betriebenen Waldbahnen Europas. Die Züge fahren tief ins abgelegene Wassertal hinein, wobei historische Loks, Werkstätten und der laufende Instandhaltungsbetrieb ein lebendiges Eisenbahnmuseum unter freiem Himmel bilden. Trotz des touristischen Charakters wird die Strecke weiterhin nach klassischen Eisenbahnprinzipien betrieben, was der Fahrt ihren authentischen, ursprünglichen Charakter verleiht. Voller Freude die Dampflok-Ungeheuer in Aktion zu sehen hielt mich am Morgen logischerweise nichts im Bett. Als ich dann auch früher als erwartet noch die erste Dampfpfeife erklang, schwang ich mich aufs Fahrrad, um die besten Locations für gute Fotos auszukundschaften. Direkt hinter dem Bahnhof gab es einen Bahnübergang noch in der Ortschaft und weiter außerhalb einen weiteren mit etwas mehr Wald in Hintergrund. Der Abfahrtsplan der Loks mit einer halben Stunden Pause gab mir immer gerade genug Zeit um zwischen den Positionen zu pendeln. Die eindrucksvollsten Fotos entstanden aber schon vor den regulären Zugfahrten direkt hinter dem Bahnhof, wo die Arbeiter die laut stampfenden mit dickem Buchholz anschürten und in ihren Overalls seitlich hängend die Vorratswaggons beluden und rangierten sowie für die Passagierfahrten vorbereiteten. Das typische "Chuff-Chuff"-Geräusch beim Losfahren entsteht durch den Auspuffdampf, und auch die weiteren Geräusche, das Zischen, Schnauben, Stampfen und Pfeifen waren absolut cool anzuhören. Das ist - in einer Welt voller Lärm - doch mal "Radau" den man gerne hört... ... und ich bin immer wieder aufs Neue begeistert, so was erleben zu dürfen. Der entweichende Dampf aus Sicherheitsventilen und Zylindern ließ sich zusammen mit der ganzen Technik wirklich toll ansehen und prima fotografieren. Die Fahrt mit der Bahn in den Wald ließ ich leider sausen. Ich konnte ja nicht gleichzeitig außen fotografieren und dabei sein. Ein weiteres Erlebnis der etwas anderen Art erwartete mich auf halber Strecke in Turda. Das dort in den Untergrund geschlagene historische Salzbergwerk, dessen Ursprünge bis ins Mittelalter zurückreichen, führte mich tief hinab in eine faszinierende unterirdische Welt aus Salz und Stille. In den gewaltigen Stollen und Hallen mit ihren glatt geschliffenen Wänden und klaren geometrischen Formen fühlte man sich eher wie in einer Kathedrale unter der Erde als in einem ehemaligen Bergwerk. Durch die behutsame, moderne Gestaltung mit Lichtinstallationen, Stegen und einem unterirdischen See wurde die jahrhundertealte Industrieanlage eindrucksvoll in Szene gesetzt. Der Rundgang verband auf einzigartige Weise Geschichte, Architektur und Atmosphäre und hinterließ einen nachhaltig beeindruckenden Eindruck. Nur einen kurzen Stopp legte ich schon am Abend am Schloss Bethlen-Haller – Jidvei ein. Scheinbar befindet sich das Schloss in Privatbesitz und Führungen, selbst im weitläufigen Außenbereich werden nur auf Anfrage zu bestimmten Tageszeiten durchgeführt. Das große eiserne Tor war jedenfalls verschlossen und so konnte ich nur ein paar Luftaufnahmen schießen, bevor im mittlerweile aufziehenden Regen samt amtlicher Wetterwarnung, geschickt in rumänisch aufs Handy zur Übernachtung weiter nach Sighisoara fuhr.
Tagesziel: Bran, geplante Strecke: 300 km in 6h, Zwischenstopps: Transfägäräsan-Hochstraße; Farbenfroh wie eh und je, von knallig bunt bis pastell zart: Schäßburg – oder auch Sighisoara – gleicht einem Märchenort und verzaubert mich bei der morgendliche Stadtbesichtigung auf Anhieb. Die kleine Stadt ist ein echtes Schätzchen, das nicht nur wegen seinen bunten Häuserfassaden und der urigen Altstadt, sondern vor allem wegen seiner einzigartigen Geschichte überzeugt. Die vollständig erhaltende uralte Altstadt sorgt für einen unglaublichen bunten, mittelalterlicher Charme, denn seit sich sächsische Siedler hier im 12. Jahrhundert niederließen, hat sich im Stadtkern mit seinen vielen Wehrtürmen nicht mehr viel geändert. Es ist urig und märchenhaft und beim Schlendern über die alten holperigen Kopfsteinpflastergassen fühlt man sich wie in einem uralten Historienroman. Kein Land der Welt ist so sehr mit Vampiren und gruseligen Orten verknüpft wie das rumänische Transsilvanien. Beinahe jedes Dorf scheint in irgendeiner Form mit der Dracula-Legende in Verbindung zu stehen. Das ist auch in Sighisoara nicht anders. Hier soll Vlad III. Draculea (auch als Vlad der Pfähler bekannt) in einem kleinen Haus in der Altstadt aufgewachsen sein. Vlad III. gilt als Vorbild für Bram Strokers Dracula-Geschichten. Er soll ein gewiefter Kämpfer gewesen sein, der seine Opfer mit Pfählen niederstreckte – eine unschöne Vorstellung, die einem in den schummrigen Gassen von Schäßburg irgendwie ziemlich real vorkommt. Schon im frühen Mittelalter florierte auch das Handwerk in der Stadt, die wunderschönen Sakralbauten zeugen vom außergewöhnlichen Fleiß und Handel der Bewohner. Mit viel Fleiß und harter Arbeit wurde auch mein Umweg Richtung Bran geschaffen. Es geht um die Transf?g?r??an-Hochstraße. Sie gilt als eine der spektakulärsten Gebirgsstraßen Europas und führt quer durch die Südkarpaten. Sie wurde in den frühen 1970er-Jahren unter der Herrschaft von Nicolae Ceau?escu aus strategisch-militärischen Gründen erbaut, um eine schnelle Verbindung zwischen der Walachei und Siebenbürgen zu schaffen. Der Bau war extrem aufwendig und forderte zahlreiche Menschenleben, da große Teile der Straße unter schwierigen Bedingungen in hochalpinem Gelände entstanden. Die Straße erreicht eine Höhe von rund 2.042 Metern am Bâlea-Pass und ist bekannt für ihre engen Serpentinen, Tunnel und weiten Panoramablicke. Aufgrund von Schnee und Lawinengefahr ist sie meist nur von Juni bis Oktober vollständig befahrbar. Heute ist die Transf?g?r??an weniger Verkehrsweg als vielmehr eine Touristenattraktion und zieht Autofahrer, Motorradfahrer und Radfahrer aus aller Welt an. Sie verbindet auf eindrucksvolle Weise dramatische Landschaft, Technikgeschichte und ein Stück rumänischer Zeitgeschichte. Auf die Fahrt über diesen Bergpass hatte ich mich wirklich lange gefreut und wurde auch nicht enttäuscht. Selbst mit einem Wohnmobil macht es unglaublich viel Spaß, Kurve um Kurve hinter sich zu lassen und gemütlich der Berg zu bezwingen. An vielen der entlang der kurvenreichen Strecke angelegten Parkbuchten legte ich kurze Pausen ein, um die Aussicht zu genießen. Die nördliche Auffahrt war auf jeden Fall kürzer und steiler, definitiv mit der schöneren Aussicht als die südliche Seite. Dort erwartet mich jedoch ein ganz anderer Höhepunkt. Hauptsächlich entlang des künstlich aufgestauten Vidraru Sees kann man häufig wilde Braunbären beobachten, die ihre Scheu vor Fahrzeugen verloren haben. Entsprechend hatte ich mir genügend Zeit für die Fahrt eingeplant, fuhr schön langsam und stoppte immer mal wieder am Straßenrand um kurz zu warten. Und dann tauchte tatsächlich der erste Bär hinter der Leitplanke auf. Ein stattliches Männchen, das erste Beweisfoto schoss ich noch halb im Ausrollen durch die Windschutzscheibe, dann blieben eh alle vorbeifahren Autos mit Warnblinker stehen, und der Bär verschwand kurz im Wald. Mittlerweile hatte ich das „Küchenfenster“ im Camper nach außen geklappt und konnte von dort Meister Pelz im Wald wieder entdecken. Er suchte bären-typisch gemütlich und drollig im Herbstlaub nach Nahrung, wühlt hier ein wenig in der Erde und ich konnte ein paar schöne Erinnerungen auf den Kamerasensor brennen. Während der weiteren Fahrt konnte ich noch fünf weitere Bären entdecken und beobachten, darunter eine Mutter mit zwei halbstarken Bärenjungen, die neugierig und verspielt am Straßenrand alles mögliche untersuchten, sehr zu meiner Belustigung auch eines der vielen „Bären füttern verboten“- Schilder. Die weitere Fahrt Richtung Bran, der Ortschaft mit dem berühmten Schloss, das mit Dracula in Verbindung gebracht wird dauerte dann auf Grund endloser Baustellen mit Ampelschaltung bis in den späten Abend hinein. Von einem ruhigen Stellplatz am Ende einer Sackgasse konnte ich trotzdem einen ersten Blick auf das Schloss werfen und genoss anschließend eine ruhige Nacht.
Tagesziel: Schloss Bran, Höhle Valea Cetatii, Festung Râsnov; Einen kompletten Tag hatte ich mir für eine geheimnisvolle Gegend in Siebenbürgen reserviert. Rund um Rasnov (Rosenau) und Bran (Törzburg) gibt es nämlich einiges zu erkunden. Ganz früh am Morgen, als einer der ersten Besucher besichtigte ich das weltberühmte Schloss, welches als Vorlage zum fiktiven Schloss des Grafen Dracula aus dem gleichnamigen Roman von Bram Stoker diente und deshalb auch als „Draculaschloss“ beworben wird. Und was soll ich sagen, es war wirklich interessant durch die ausgiebig möblierten, gut ausgestatten und schön hergerichtete Räume zu spazieren und alles zu entdecken sowie die Geschichten zu lesen. Im 14. Jahrhundert als Grenz- und Zollburg zwischen Siebenbürgen und der Walachei errichtet, wurde es berühmt, vor allem durch seine oft zitierte Verbindung zu Vlad III. Dr?culea, dem walachischen Fürsten, der als historische Vorlage für die Dracula-Legende gilt, auch wenn er sich dort vermutlich nur kurz oder gar nicht aufhielt. Die heutige Popularität des Schlosses beruht weniger auf belegter Geschichte als auf Literatur und Mythos. Dennoch machen die exponierte Lage, die mittelalterliche Architektur und die vielschichtige Geschichte Schloss Bran zu einem der bekanntesten Wahrzeichen Rumäniens. Und das scheinbar nicht nur in meinen Augen zu Recht, denn als ich mit der Besichtigung fertig war, bildete sich schon eine wirklich lange Schlange vor dem Besuchereingang. Die Mittagszeit verbrachte ich in der ersten Höhle dieser Tour. Die Höhle Valea Cet??ii bei Râ?nov ist eine kleine aber dennoch beeindruckende Tropfsteinhöhle mit gut erhaltenen Stalaktiten und Stalagmiten. Die auf dem gegenüberliegenden Bergvorsprung gebaute Festung Râ?nov wurde erstmals 1331 urkundlich erwähnt, doch ihre Geschichte reicht deutlich weiter zurück. Archäologische Funde belegen, dass der markante Felssporn bereits vor über 2000 Jahren zur dakischen Zeit als Wehranlage genutzt wurde. Im Mittelalter lag Râsnov an einem strategisch wichtigen Übergang über die Karpaten und spielte lange eine bedeutende Rolle für Handel und Zollwesen. Im 14. Jahrhundert errichtete auch der Deutsche Orden, im Auftrag der ungarischen Krone, eine Befestigung an diesem Ort, deren genaue Gestalt heute nicht mehr bekannt ist. Das heutige Erscheinungsbild der Burg entstand schließlich erst zwei Jahrhunderte später durch umfangreiche Ausbau- und Sicherungsarbeiten, als Râ?nov noch ein kleines, aber wichtiges Dorf war. Da an der Festung ausführliche Renovierungsarbeiten durchgeführt werden, konnte ich diese leider nicht besichtigen. Einen schönen Überblick über die gesamte Anlage konnte ich bei einem kurzen Rundflug gewinnen und so auch ein paar Fotos machen. Den Nachmittag und Abend suchte ich dann nach den besten Perspektiven um das Schloss Bran im Abendlicht zu fotografieren und mir gelangen ein paar Fotos mit blauem Himmel und vorüberziehenden Wolken. Zum Sonnenuntergang war die Bewölkung dann jedoch zu stark, um die Szenerie in ein schönes Licht zu setzen.
Tagesziel: Schloss Peles, geplante Strecke: 150 km in 3h, Zwischenstopps: Cheia-Brasov- Serpentinenstraße, Ciucas Gipfelwanderung; Am nächsten Morgen bot sich von gleicher Stelle aus nochmal die Gelegenheit, und dieses Mal spielte das Wetter ein wenig besser mit. Die aufgehende Sonne tauchte die hinter dem Schloss vorziehenden Wolken in satte Farbtöne und ermöglichte mir ein paar stimmungsvolle Bilder. Ein besonderes Foto hatte ich auch an meiner nächsten Station im Sinn. Wie so oft war eine Aufnahme, welche ich in einem online Magazin gefunden hab die Vorlage. Allerdings musste ich dieses Mal etwas länger recherchieren, da nur Siebenbürgen als Ortsangabe dabeistand. Das Bild zeigte eine sehr enge 12-kurvige Serpentinenstraße von oben, umgeben von Herbstlaub und mit Fahrspuren der Autolichter. Mehr Informationen lagen mir nicht vor und so machte ich mich in Google Earth auf die Suche nach einem passenden Straßenverlauf. Und in der Tat konnte ich trotz der Fülle an ähnlichen Straßenverläufen in der bergigen Karpatenregion genau die gleiche Straße finden. So weit so gut. Zurück zu meinem Plan. Die Uhrzeit für meine Fotoaufnahmen hätte ich in der Tat beeinflussen können. Das mit dem bunten Herbstlaub ist so eine Sache und lässt sich schon etwas schwieriger planen. Jedenfalls gab es für mein Bild nur grüne Baumwipfel und einen schwarz geteerten Straßenverlauf mit drei LKW´s und einem geparkten Globetrotter am Bildrand. Ich find´s gut und bin die Strecke dann logischerweise sowohl in die eine, als auch in die andere Richtung gefahren, einfach weil es Spaß gemacht hat. Für den Nachmittag hatte ich mir eine kurze Wanderung ganz in der Nähe ausgesucht. 10km mit ein paar leichten Höhenmetern, so ca. 3 Stunden. Auf einem großen Parkplatz schnürte ich die Wanderstiefel und begab mich gerade auf den Wanderpfad als eine große Gruppe Jugendlicher mit drei Betreuern auf dem Parkplatz ankam. Auf dem Pfad Richtung der ersten sichtbaren Anhöhe wurde ich dann auch eingeholt, die waren fast alle richtig flott unterwegs. Ich kam dann relativ schnell mit einem der Betreuer ins Gespräch und er fragte mich, wie weit ich laufen wolle. Zum Gipfel sagte ich, die erste Anhöhe im Kopf… Für ihn und die Gruppe war allerdings ein ganz anderer Gipfel das Ziel. Der Wanderweg, auf dem ich gestartet bin, war nur der erste Teil einer Wanderung zur höchsten Erhebung in der ganzen Region, dem Vârful Ciuca?. Der Weg führte durch eine wundersam beeindruckende Landschaft aus sanften Hügeln, runden Felsformationen, Hinkelsteinen und einem flachen Bewuchs mit Sträuchern und Büschen, sowie niedrigen Nadelbäumen. Immer weiter folgte ich der anderen Wandergruppe, mittlerweile wusste ich, dass es sich um die Jungendmannschaft eines Kampfsportvereins handelte. Hügel um Hügel, Anhöhe um Anhöhe, und je näher der Gipfel kam, desto steiler wurden die Anstiege. Nach 800 Höhenmetern, 8 Kilometern und fast 4 Stunden stand ich also auf einem kleinen Gipfel mit weiter Fernsicht. Während die Gruppe die Wanderung fortsetzte und eine Übernachtungslager ansteuerte, kehrte ich um, um den gleichen Weg zurückzuwandern. Ganz alleine auf weiter Flur prüfte ich zur Sicherheit immer mal wieder meine Taschen auf das Vorhandensein des Bären-Abwehrsprays und genoss die Stille und Aussicht beim etwas schnelleren Rückweg. Durch die schöne tagesfüllende Wanderung erreichte ich meinen Übernachtungsplatz direkt am Schloss Peles deutlich später als gedacht. Das war auf Grund des Wetters aber auch nicht weiter tragisch. Nieselregen und tiefhängende Wolken und die einsetzende Dunkelheit verliehen dem Schloss sowie dem umliegenden Anwesen auf jeden Fall etwas mystisches und so fand der Tag auch fotografisch einen würdigen Abschluss.
Tagesziel: Kloster Curchi, geplante Strecke: 500 km in 8h, Zwischenstopps: Kloster Capriana; Die längste Einzeletappe der Tour führte mich nach Moldau. Wie die ganze Nacht über, prasselte am frühen Morgen noch immer heftiger Regen aufs Camperdach. Ich konnte deshalb ohne schlechtes Gewissen sehr früh aufbrechen, ohne einen schönen Sonnenaufgang zu verpassen. Mit Spannung spulte ich die Kilometer über die sehr gut ausgebauten Autobahnen und Überlandstraßen im östlichen Rumänien ab. Spannung wegen des bevorstehenden Grenzübertritts nach Moldau. Das kleine Land befindet sich geografisch an der Schnittstelle zwischen der Europäischen Union und dem Einflussbereich Russlands. Historisch war Moldau stark von wechselnden Herrschaften geprägt, darunter das Russische Reich und später die Sowjetunion, was bis heute politische und kulturelle Spuren hinterlassen hat. Besonders deutlich wird diese geopolitische Lage im Konflikt um die abtrünnige Region Transnistrien. Seit der Unabhängigkeit 1991 ringt Moldau um eine klare außenpolitische Ausrichtung zwischen Westintegration und traditionellen Bindungen nach Osten. In den letzten Jahren hat das Land seine Annäherung an die Europäische Union intensiviert und besitzt inzwischen den Status eines EU-Beitrittskandidaten. Trotzdem wird logischerweise bei der Grenzkontrolle das komplette Programm aufgefahren. Reisepass, Versicherungsscheine, Führerschein und eine kurze Innenraum- und Gepäckkontrolle. Wider Erwarten nahm das Prozedere an der EU-Außengrenze weniger Zeit in Anspruch als befürchtet und so konnte ich am frühen Abend die ersten beiden Klöster besichtigen. Die Klöster Moldaus liegen oft eingebettet in sanfte Hügel, Wälder und Weinlandschaften und strahlen eine besondere Ruhe und spirituelle Tiefe aus. Sie gehören zur moldauisch-orthodoxen Kirche, die traditionell eng mit dem rumänisch-orthodoxen Glauben verbunden ist, und prägen bis heute das religiöse Leben des Landes maßgeblich. Viele der Anlagen gehen auf das Mittelalter zurück und waren über Jahrhunderte nicht nur religiöse, sondern auch kulturelle und politische Zentren. Ihre Architektur folgt der byzantinischen Tradition, während Ikonen, Fresken und reich geschmückte Ikonostasen die tiefe Verwurzelung des orthodoxen Glaubens widerspiegeln. Das Kloster C?priana, eines der ältesten Klöster Moldaus, wurde bereits im 15. Jahrhundert erwähnt und entwickelte sich zu einem bedeutenden geistlichen Mittelpunkt. Umgeben von Wäldern wirkt es bis heute wie ein Ort der Einkehr, an dem Liturgie, Gebet und klösterliches Leben im Mittelpunkt stehen. Das Kloster Curchi beeindruckt hingegen mit seiner monumentalen Hauptkirche und den leuchtenden Fassaden, die nach aufwendiger Restaurierung wieder in alter Pracht erstrahlen. Beide Klöster stehen sinnbildlich für die enge Verbindung von Glauben, Geschichte und Identität in Moldau.
Tagesziel: Milestii Mici - Weinkeller, geplante Strecke: 150 km in 2h, Zwischenstopps: Orheiul Vechi, Chisinau; Der frühe Morgen am einsam da liegenden Kloster Curchi ließ mich eine Weile innehalten. Vor dem verschlossenen großen roten Eingangstor wartete ich schon kurz vor Sonnenaufgang, um nach dem ausgiebigen Regen und den dichten Wolken der letzten Tage die Sonne im Innenhof der Klosteranlage begrüßen zu können. Als die ersten warmen Strahlen die goldenen Kuppeln nicht mehr berührten, setzte ich meine Reise fort und fuhr weiter nach Orheiul Vechi, einem der bedeutendsten historischen Orte Moldaus. Orheiul Vechi ist ein weitläufiger archäologischer Komplex in einer spektakulären Flussschleife des R?ut. Die Region war bereits in der Antike besiedelt und weist Spuren dakischer, tatarisch-mongolischer und mittelalterlich-moldauischer Kulturen auf. Besonders bekannt ist das in den Kalksteinfelsen gehauene Höhlenkloster, das bis heute von Mönchen genutzt wird. Im 14. Jahrhundert befand sich hier eine bedeutende Siedlung der Goldenen Horde, später entwickelte sich das Gebiet zu einem religiösen Zentrum des Fürstentums Moldau. Die Kombination aus dramatischer Landschaft, archäologischen Überresten und spiritueller Tradition macht Orheiul Vechi zu einem einzigartigen Zeugnis moldauischer Geschichte. Von den Anhöhen eröffnete sich mir der weite Blick über die geschwungene Flusslandschaft, die mich auch tagsüber beeindruckte. Mit diesen Eindrücken im Gepäck führte mich der Weg schließlich weiter nach Chi?in?u, der lebendigen Hauptstadt Moldaus. Die Stadt ist politisches, wirtschaftliches und kulturelles Zentrum des Landes und überrascht mit breiten Boulevards, viel Grün und einer Mischung aus sowjetischer Monumentalarchitektur und klassizistischen Gebäuden. Besonders fotogen fand ich den Triumphbogen mit der gegenüberliegenden Kathedrale der Geburt des Herrn im Herzen der Stadt. Ebenfalls lohnend war ein kurzer Ausflug zum weitläufigen ?tefan-cel-Mare-Park mit seinem Denkmal für den Nationalhelden, der als beliebter Treffpunkt gilt. Ein dritter spannender Fotospot ist das moderne Regierungsviertel entlang des Boulevard ?tefan cel Mare, wo sich Geschichte und Gegenwart eindrucksvoll begegnen. Für die Übernachtung steuerte ich schon Mal das Ziel für den nächsten Morgen an, in der Hoffnung dort ein ruhiges Plätzchen zu finden. Es wartet nämlich ein tags zuvor gebuchter ganz spezieller Ausflug auf mich.
Tagesziel: Donaudelta, geplante Strecke: 300 km in 5h, Zwischenstopps: keine; Ein Ausflug in den, laut Guinnessbuch der Rekorde größten Weinkeller der Welt. Das Weingut Mile?tii Mici beherbergt über 1,5 bis 2 Millionen Flaschen in unterirdischen Kalksteinstollen, die sich über 200 Kilometer erstrecken (davon 55 km genutzt). Die Weine lagern in 30 bis 80 Metern Tiefe bei konstanter Temperatur um 12 Grad. Die unterirdischen Straßen sind nach verschiedenen Weinsorten benannt. Während der ausführlichen Führung wurden wir mit einem zugähnlichen Bimmelbahngefährt tief hinein in das weit verzweigte Tunnelsystem gebracht, das sich wie ein unterirdisches Straßennetz anfühlte. Gemächlich ratternd fuhren wir vorbei an endlosen Reihen staubiger Flaschen und mächtigen Holzfässern, die im warmen Licht eine beinahe mystische Stimmung erzeugten. Immer wieder hielten wir an, um besondere Jahrgänge, beeindruckende Lagerbereiche oder kunstvoll gestaltete Verkostungsräume genauer zu betrachten. Die scheinbar endlosen Gänge boten dabei unzählige Fotomotive – von perfekt symmetrischen Tunnelperspektiven bis hin zu detailreichen Nahaufnahmen jahrzehntealter Etiketten. Diese Fahrt durch das unterirdische Labyrinth aus Kalkstein, Wein und Geschichte war ebenso faszinierend wie einzigartig und blieb mir nachhaltig im Gedächtnis. Die der Führung folgenden Weinprobe musste ich leider sausen lassen, da ich ja nicht nur weiterfahren wollte, sondern für den Tag auch die Rückfahrt über die Grenze in die EU geplant war. Die verlief wiederrum ohne große Verzögerung, so dass ich am frühen Abend am östlichsten Punkt des Abenteuers ankam. Dem Donaudelta!
Tagesziel: Bulgarien, geplante Strecke: 450 km in 5h, Zwischenstopps: keine; Ganz privat, mit einem kleinen Motorboot und dem Betreiber des Campingplatzes als Guide ging es ganz früh morgens vor Sonnenaufgang los. Nach den ersten Kilometern auf einem der Hauptarme im weitläufigen Delta bogen wir recht schnell auf kleinere Flussläufe ab, um die Vogelwelt des großen Feuchtgebietes zu erkunden. Mein Guide konnte mit allerlei Wissen über Land, Menschen und Geschichte des Donaudeltas überzeugen. Das Entdecken und Beobachten von Vögeln und der Tierwelt hat wie immer an solchen Orten mit hoher Vielfalt in der Natur riesig viel Spaß gemacht. Das Highlight, weswegen ich auch bis in diese weit entfernte Region gefahren bin, waren ganz klar die Pelikane. Hunderte, ach was, insgesamt bestimmt über tausend Individuen konnte ich bei der langsamen Fahrt über die Seen- und Flusslandschaft entdecken. Weitere Höhepunkte waren auf jeden Fall die Spechte, aber auch Frösche, Wasserpflanzen, Seeschwalben und ein paar schöne Greifvögel, wie der Seeadler. Auch die Fischer und teils auf Stelzen gebauten Fischerhäuser entlang den Kanälen waren schöne Fotomotive. Mein Guide verdiente sich durch sein Wissen, aber auch seine ruhige Art auf jeden Fall ein schönes Trinkgeld für den fast privaten Ausflug ins Delta. Als wir gen Mittag die Wunderwelt am schwarzen Meer verließen, machten sich gerade viele große Boote mit unzähligen Touristen auf den Weg um ebenfalls die Natur zu Bestaunen. Und ich war froh, dass ich mit unzähligen tollen Aufnahmen im Kasten den frühen Morgen im Donaudelta ausgiebig genießen konnte. Mit allen erfüllten Fotowünschen sparte ich mir einen eigentlich fest geplanten weitere Tag im Delta und setzte stattdessen bereits am Nachmittag meine Fahrt Richtung Süden fort. Für die Übernachtung gab es nur ein ungefähres Ziel auf halber Strecke zu meinem ersten Ausflugspunkt des nächsten Tages. Die Suche nach einem schönen Plätzchen in der Natur gestaltet sich wie immer einfach. Dass dort allerdings ein zahnloser Security-Mensch versuchte, mich, und nach und nach weitere ankommende Übernachtungswillige von einem Parkplatz zu verscheuchen war eine Überraschung. Scheinbar fand hinter dem Waldstück ein Filmdreh statt, tagsüber natürlich, aber wir sollten dort trotzdem nicht stehen. Der arme Security-Mensch konnte auch keine English versuchte sich mit Gesten verständlich zu machen, und so tauchte das später tatsächlich noch ein Polizist auf, um uns mitzuteilen, was die Ursache für das Parkverbot sei. Wir einigten uns dann auf eine frühe Abreise am nächsten Morgen und so verbrachte ich dort eine wirklich ruhige Nacht im Nirgendwo kurz vor der Bulgarischen Grenze.
Tagesziel: Felsenfestung Belogradtschik, geplante Strecke: 400 km in 5h, Zwischenstopps: Devetaki-Höhle; Der Vorteil einer Übernachtung in Grenznähe zeigt sich am frühen Morgen, wenn man am Grenzübergang, hinter dem zugleich auch eine Donaumautbrücke liegt, nicht allzu lange warten braucht. Auf überraschend guten Straßen machte ich mich im Norden Bulgariens auf, um die abgelegene Devetaki-Höhle zu besichtigen. Nach dem Entrichten eines mickrigen Eintrittsgelds und einer kurzen Wanderung öffnete sich die große Eingangshalle wie ein gewaltiges Naturportal und ließ bereits erahnen, welche Dimensionen mich im Inneren erwarteten. Mehrere riesige runde Durchbrüche in der Decke ließen Tageslicht in breiten Strahlen in die Höhle fallen und tauchten den Raum in eine beinahe mystische Atmosphäre. Durch diese natürlichen Öffnungen wirkt die Höhle fast wie eine unterirdische Kathedrale, in der Licht und Schatten eindrucksvoll miteinander spielen. Gleichzeitig ist die Devetaki-Höhle ein bedeutender Lebensraum für zahlreiche Fledermausarten und zählt zu den wichtigsten Schutzgebieten des Landes. Besonders in den Wintermonaten finden hier Tausende Tiere ideale Bedingungen zum Überwintern, weshalb Teile der Höhle zeitweise nicht zugänglich sind, um dieses empfindliche Ökosystem zu bewahren. Das nächste Highlight erwartete mich ganz im Nordwesten. Gerade rechtzeitig für den letzten Einlass erreichte ich die Festungsanlage von Belogradtschik. Die Festung liegt eingebettet in die berühmten roten Felsformationen des Belogradtschik-Massivs, die seit Millionen Jahren Wind und Wetter trotzen. Erste Befestigungen gehen auf die Römer zurück, die die natürlichen Felsen als Schutzmauern nutzten und strategisch ausbauten. Im Mittelalter wurde die Anlage von bulgarischen Herrschern weiter verstärkt und diente der Kontrolle wichtiger Handels- und Militärwege. Während der osmanischen Herrschaft erhielt die Festung im 19. Jahrhundert ihr heutiges Aussehen mit massiven Mauern und Bastionen. Sie spielte eine bedeutende Rolle bei regionalen Aufständen und militärischen Auseinandersetzungen, bevor sie später ihre strategische Funktion verlor. Heute ist die Anlage vor allem ein historisches Denkmal, das Geschichte und Natur auf einzigartige Weise verbindet. Von den Wehrgängen eröffnet sich ein weiter Blick über die bizarre Felsenlandschaft, die der Festung eine nahezu märchenhafte Kulisse verleiht und ich verbrachte die erste Stunde damit, die besten Perspektiven auszukundschaften. Da keine Wolke am Himmel zu sehen war, sah alles nach einem goldenen Sonnenuntergang aus. Zeitlich allerdings würde ich nicht mehr in der Festung sein können, da die großen Tore sich zuvor schließen würde. Den Plan sich zu verstecken und irgendwie anders aus der Festung zu können verwarf ich auch recht schnell wieder. Ich kostete die Zeit in der Anlage eben bis zur letzten Sekunde aus und wie so oft, fand ich etwas weiter den Weg entlang eine bessere Perspektive. In dem Fall war es eine kleine steinerne Aussichtplattform, von der ich im goldenen Licht und während der folgenden blauen Stunde die monolithischen Felsen in der weiten bewaldeten Tallandschaft hinter der Festung gut festhalten konnte. Die anschließende kurze Nachtfahrt, um am nächsten Morgen gleich an einer weiteren Höhle aufzuwachen hätte ich mir sparen sollen. Obwohl beide Navis, Google Maps und Organic Maps mir die Route als fahrbare Straße vorgeschlagen haben, stand ich irgendwann auf einem nicht ganz für mein Gefährt geeigneten einspurigen vom Regen ausgewaschenen abschüssigen Rumpelweg im Wald und musste dort schließlich auf einer kleinen Lichtung umkehren.
Tagesziel: Hunedoara, geplante Strecke: 400 km in 6h, Zwischenstopps: Magura-Höhle; Die angesprochene Höhle unweit der serbischen Grenze ist berühmt für ihre prähistorischen Felsmalereien, die zu den bedeutendsten Südosteuropas zählen und mehrere tausend Jahre alt sind. Die Magura-Höhle erstreckt sich über mehr als zweieinhalb Kilometer, beeindruckt mit gewaltigen Hallen, bizarren Tropfsteinformationen und einem konstant kühlen Klima im Inneren. Die Besichtigung in kleiner Gruppe führte auf einem rutschigen Weg durch weite, geheimnisvoll beleuchtete Räume, in denen sich die Dimension der Höhle erst nach und nach erschlossen. Die einfachen, aber ausdrucksstarken Darstellungen von Menschen, Tieren und Ritualszenen können leider nicht mehr besichtigt werden, jedoch waren diese in einer beeindruckenden und stimmungsvollen Multimedia-Show zu sehen, bei der Licht und Musik die Formationen in Szene setzten und dem unterirdischen Erlebnis einen überraschend modernen und zugleich emotionalen Ausklang verliehen. Mit großer Vorfreude überquerte ich am Mittag wieder die Donau und die Grenze. Zurück in Rumänien stand für den Abend nämlich mal wieder eine Burg auf dem Programm. Ein schöner großer Parkplatz mit Übernachtungsmöglichkeit mitten in Hunedoara war perfekt, um der Burg noch am Abend einen Besuch abzustatten. Eine kleine Enttäuschung gab es dann leider vor Ort. Ein Gerüst! Die alten Gemäuer und vor allem die Dächer werden wohl schon seit längerem saniert. Aktuell waren die steinerne Zugangsbrücke, sowie große Teile der Nordfassade mit einem Burgturm hinter den Stangen und Streben aus Stahl versteckt. Nun ja, ich versuchte mich fotografisch auf den restlichen Teil zu fokussieren und auch Aufnahmen der kleinen Vorsprünge, Erker, symmetrischen Giebeln, Faschen und Verzierungen und den ganzen kleingliedrigen Details sind bei derart liebevoll restaurierten Bauten immer sehr schöne Fotomotive. Zum Abschluss des Tages besuchte ich eine Modelleisenbahnausstellung. Zurückversetzt in meine Kindheit bzw. frühe Jugend betrat ich das Muzeul Trenule?elor Valentin Banciu, eine absolut beeindruckenden private Modelleisenbahnsammlungen. Die Ausstellung geht auf den leidenschaftlichen Sammler und Erbauer Valentin Banciu zurück, der über Jahrzehnte hinweg mit viel Hingabe und Liebe zum Detail diese einzigartige Miniaturwelt erschuf. Die Anlage erstreckt sich über zwei Etagen und führt durch unterschiedlichste Landschaften, die verschiedene Regionen und sogar Jahreszeiten darstellen – von verschneiten Winterkulissen bis hin zu sommerlichen Berg- und Stadtszenen. Unzählige liebevoll gestaltete Details wie winzige Häuser, Bahnhöfe, Brücken und belebte Straßenszenen ließen die Szenerien erstaunlich lebendig wirken. Dazwischen drehten Modelleisenbahnen verschiedenster Epochen und Spurweiten zuverlässig ihre Runden und sorgten für ein stetiges, beruhigendes Rattern. Die ganze Beleuchtung, die ganze Technik. Überall gab es etwas zu entdecken und an jeder Ecke konnte man förmlich das Miniaturleben spüren. Es war faszinierend zu sehen, wie viel Geduld, Präzision und Herzblut in jeder einzelnen Miniaturlandschaft steckten – ein würdiger, nostalgischer Abschluss eines ereignisreichen Tages.
Tagesziel: Budapest, geplante Strecke: 450 km in 5h, Zwischenstopps: keine; Früh morgens als erster eine Burg besichtigen hatte ja schon 2-mal gut funktioniert; das war auch der Plan an diesem Tag. Direkt nach der Öffnung der Tore konnte ich ausgiebig die noch leeren Räume und gotischen Hallen der Burg besichtigen. Wiedermal überraschte mich die Vielfalt der Treppenaufgänge, der versteckte Kammern, Laubengänge mit Schießscharten hoch oben auf den Türmen, unterirdische Gemäuer mit meterdicken Steinwänden sowie die großen Ball- und Speisesäle. Teils mit antiken Möbeln, teils mit Kunst und Gemälden ausgestattet genoss ich es sehr, unterschiedliche Lichtstimmungen einzufangen und einfach etwas über die Geschichte der Burg zu lesen. Die auch Corvin-Burg genannte Anlage wurde im 15. Jahrhundert unter dem ungarischen Heerführer und späteren Reichsverweser Johann Hunyadi zu einer der bedeutendsten gotischen Festungen Osteuropas ausgebaut. Ursprünglich stand an dieser Stelle eine kleinere Wehranlage, die strategisch ein wichtiges Tal in Siebenbürgen sicherte. Im Laufe der Jahrhunderte wurde die Burg mehrfach erweitert, umgebaut und restauriert, wodurch sich heute gotische, Renaissance- und barocke Elemente in ihrer eindrucksvollen Architektur vereinen.
Und mit ganz viel Architektur im Sinn machte ich mich auf den Weg in eine bezaubernde europäische Hauptstadt. Budapest! Unverhofft kommt jedoch oft, und so war das erste Highlight nichts, was ich in der Stadt erwartet hätte. Ein kleiner Weißbrustigel suchte, fand, grub und verspeiste am helllichten Tage auf dem Camping einen frischen Wurm. Sehr zu meiner Freude direkt am Camper, so dass ich fabulöse Aufnahmen davon machen konnte. Der Campingplatz „Camping Arena Budapest“ war mein erster richtig ausgestatteter Übernachtungsplatz auf dieser Tour, nicht ganz günstig, aber für den Besuch einer Millionenstadt definitiv eine gute Wahl. Nur ca. 8 km außerhalb des historischen Stadtkerns, welcher bestens mit allen möglichen öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar gewesen wäre, wollte ich logischerweise möglichst unabhängig und flexibel, sowohl zeitlich als auch ortstechnisch, sein. Und wie bei den letzten Touren hat die Erkundung mit dem Mountainbike durchaus ein paar Vorteile. Am ersten Abend wollte ich auf jeden Fall rechtzeitig zum Sonnenuntergang am vermutlich bekanntesten Gebäude Budapests stehen.
Dem Parlamentsgebäude direkt am Donauufer. Das neogotische Meisterwerk und Wahrzeichen der Stadt wurde zwischen 1885 und 1904 erbaut und ist das drittgrößte Parlamentsgebäude der Welt, 268 Meter lang und bekannt für seine prächtige Kuppel sowie die reiche Innenausstattung. Meine Bildidee war einfach, auch weil bestimmt tausendfach geschossen; eine Langzeitbelichtung mit der fließenden Donau im Vordergrund und ziehenden Wolken im Hintergrund, möglichst mit ein paar goldenen Sonnenstrahlen aus dem Rücken. Und tatsächlich passte für einen wirklich kurzen Moment alles zusammen, bevor die Sonne wieder verdeckt wurde. Nach einer kurzen Wartezeit erstrahlten dann die Lichter am gefühlt sich endlos dem Fluss anschmiegenden Gebäudekomplex und hoben diesen dadurch in der blauen Stunde nochmal extrem hervor. Die ersten dunklen Stunden verbrachte ich damit, die berühmte Fischerbastei und den Burgpalast abzulichten. Beide Monumente liegen auf dem Budaer Burgberg hoch über der Donau und prägen die Silhouette von Budapest auf unverwechselbare Weise.
Die Fischerbastei wurde Ende des 19. Jahrhunderts im Zuge der Millenniumsfeierlichkeiten Ungarns erbaut und erinnert mit ihren sieben Türmen an die sieben magyarischen Stammesführer. Trotz ihres mittelalterlich anmutenden Erscheinungsbildes ist sie also vergleichsweise jung und diente nie militärischen Zwecken. Ihr neoromanischer Stil mit weißen Kalksteinarkaden, Treppen und Aussichtsterrassen verleiht ihr etwas Märchenhaftes.
Der Burgpalast, auch als Budapester Burg bekannt, blickt hingegen auf eine deutlich längere Geschichte zurück, die bis ins 13. Jahrhundert reicht. Über Jahrhunderte war er Residenz ungarischer Könige und wurde nach Zerstörungen durch die Osmanen und später im Zweiten Weltkrieg mehrfach umgebaut. Heute beherbergt er bedeutende kulturelle Einrichtungen wie Museen und die Nationalbibliothek. Seine monumentale, klassizistisch-barocke Erscheinung dominiert den Burgberg und spiegelt die wechselvolle Geschichte des Landes wider. Vom Vorplatz aus eröffnet sich ein weiter Blick über die Donau auf das Parlamentsgebäude, wodurch Geschichte, Architektur und Stadtpanorama auf eindrucksvolle Weise miteinander verschmelzen. In der nächtlichen Beleuchtung wirkten beide Bauwerke besonders majestätisch und verliehen dem Auftakt in Budapest eine fast zeitlose Atmosphäre. Der späten Rückfahrt mit dem Fahrrad folgte eine kurze Nacht und der direkte Weg. Bereits zum Sonnenaufgang war ich bereit für die gleichen wundersamen architektonischen Highlights, diesmal im warmen weichen morgendlichen Licht. Mit etwas mehr Zeit und Licht konnte ich nun auch weitere ansprechende Motive ablichten. Die Tram, unzählige Statuen und Denkmäler, historische Häuserzeilen und Kathedralen.
Das Parlamentsgebäude erstrahlte von der anderen Seite an diesem Morgen ganz ohne künstliches Licht in mächtigem Glanz. Die bunt gedeckten Dächer der Kirchen, verzierte Eingangstore, Säulen und Bögen der Museen sowie die Skulpturen am Heldenplatz sogen die frühen Sonnenstrahlen förmlich auf, um in warmem Gold zu erstrahlen. Langsam füllte sich der weite Platz mit Leben, während das Licht die monumentalen Figuren der ungarischen Geschichte plastisch hervortreten ließ. Besonders die zentrale Säule mit dem Erzengel Gabriel wirkte im Morgenlicht beinahe schwebend. Die halbkreisförmigen Kolonnaden rahmten das Ensemble eindrucksvoll ein und verliehen dem Platz eine fast theatralische Wirkung. Die nicht so fotogene Mittagszeit nutzte ich im Globetrotter, um mich auszuschlafen. Durch das wirklich bestens ausgebaute Radwegenetz mit eigenen Ampeln, Radschnellverbindung durch die äußeren Stadtbezirke und die rücksichtsvolle Verkehrsführung selbst im Stadtzentrum waren die jeweiligen Fahrten eine fixe Angelegenheit und ermöglichten mir eine sehr gute Planung der Fotospots.
Für den Abend hatte ich mir zwischenzeitlich noch ein paar weitere neue Fotomotive ausgesucht. Denn auch am östlichen Stadtrand in Mitten des Parks gibt es viel zu sehen. Zum Beispiel befindet sich in dem Park, liebevoll „Stadtwäldchen“ genannt das Schloss Vajdahunyad. Es wurde auf einer Insel erbaut und kann über eine von vier Brücken erreicht werden. Der Gebäudekomplex auf der Insel im Stadtwäldchen-See wurde 1896 fertiggestellt – ein bedeutendes Jahr für die ungarische Nation, da Ungarn in diesem Jahr den 1000. Jahrestag der Landnahme feierte. Gemeinsam mit vielen anderen Wahrzeichen in Budapest wurde Schloss Vajdahunyad zur Feier des tausendjährigen Jubiläums des ungarischen Staates errichtet. Der Gebäudekomplex gilt als besonders interessante Attraktion, da er gleichzeitig Elemente aus dem romanischen, gotischen, Renaissance- und Barockstil kombiniert. Eines der charakteristischsten Details ist der mittelalterliche Turm, der am Eingang des Gebäudekomplexes steht. Das Bauwerk wurde ursprünglich als „Historischer Gebäudekomplex“ bezeichnet und erst umbenannt, nachdem Ignác Alpár den dominierenden Teil, die Hauptfassade, dem mittelalterlichen Schloss Vajdahunyad der Hunyadis in Transsilvanien nachempfunden hatte. Ebenfalls im Park konnte ich noch das Millenniumshaus, ein im Stile der Neorenaissance erbautes Kulturzentrum und den Zsolnay-Brunnen im Rosengarten entdecken. Auf dem Weg zur Synagoge der Dohánystraße begegnete ich einer Sisi-Statue. Kaiserin Elisabeth von Österreich hatte eine tiefe, persönliche Verbindung zu Ungarn und besonders zu Budapest, das sie oft als ihre wahre Heimat bezeichnete. Auch zwei weitere Kirchen konnte ich noch besichtigen, bevor ich zum Sonnenuntergang wieder das Parlamentsgebäude fotografieren wollte.
An diesem Abend, wie den ganzen Tag auch schon wurde die Sonne von keiner einzigen Wolke verdeckt, und so erwartet ich eine goldene Stimmung. Als Ort der Aufnahmen hatte ich mir die Margaretenbrücke rausgesucht, um eine schöne Linienführung der fließenden Donau sowie eine schöne Perspektive der Architektur zu bekommen. Nachteil an der Brück ist immer die Vibration, welche bei Langzeitbelichtungen, speziell mit langer Brennweite, die Fotos verwackeln. Ich wartet somit immer wieder, bis möglichst wenig Straßenverkehr und vor allem keine Straßenbahn die Brücke durchrüttelten und so gelangen mir ein paar wirklich stimmungsvolle Aufnahmen aus einem interessanten Winkel. Für die blaue Stunde kehrte ich an diesem Abend zurück auf den Budaer Burgberg, um die Dreifaltigkeitsstatue und vor allem die Matthiaskirche abzulichten. Bekannt für ihre beeindruckende Architektur und ihr farbiges Ziegeldach ist sie eine historisch bedeutende Kirche, die offiziell als Liebfrauenkirche bekannt ist. Sie war Krönungsstätte ungarischer Könige, darunter Karl I. und 1867 Kaiser Franz Joseph I. mit seiner Frau Sisi. Im Dunkeln der einfallenden Nacht machte ich noch einen Zwischenstopp an der Széchenyi-Kettenbrücke. Die zwischen 1839 und 1849 im Stil des Klassizismus gestaltet Hängebrückenkonstruktion besteht aus massiven, eisernen Ketten, die über zwei triumphbogenartige Steinpfeiler geführt werden und war die erste feste Verbindung über die Donau. Die darüberfahrenden Autos eigneten sich perfekt für ein paar Fotos mit Lichterspuren. Über Budapest kann ich hier also nur Gutes berichten. Architektur – Mega, Fotografie – Top, Radfahren und Camping – Easy.
Tagesziel: Esztergom, geplante Strecke: 150 km in 1,5h, Zwischenstopps: Burg Visegrád; Raus aus der großen Stadt hieß es dann aber trotzdem. Eine kurze Tagesetappe mit zwei fotografischen Höhepunkten lag vor mir, und für beide Locations waren der Nachmittag und besonders der Sonnenuntergang ideal. Ich entschied mich zunächst für die Gegend rund um die Burg Visegrád, die hoch über dem Donauknie thront und einst eine bedeutende königliche Residenz war. Vom Parkplatz direkt an der Donau führte mich ein steiler Kreuzweg hinauf zur Zitadelle, vorbei an kleinen Stationen und mit immer weiter werdenden Ausblicken auf den Fluss. Nach einer kurzen Besichtigung der Mauern und Aussichtsterrassen ließ ich meine Drohne aufsteigen, um die spektakuläre Schleife der Donau zusammen mit der Burg aus der Luft einzufangen – ein Panorama, das die strategische Bedeutung dieses Ortes eindrucksvoll verdeutlichte. Anschließend setzte ich meine Fahrt nach Esztergom fort, einer der ältesten Städte Ungarns, malerisch am Donauufer gelegen. Einst war sie die Hauptstadt des Landes und ist seit über 1.000 Jahren Sitz des Primas von Ungarn. Schon von weitem dominiert die gewaltige klassizistische Basilika das Stadtbild – die größte Kirche Ungarns und eine der größten Europas überhaupt. Der monumentale Bau erhebt sich über dem Burghügel, dem der Legende nach bereits Attila, der Hunnenkönig, als Residenz gedient haben soll. Direkt gegenüber, auf der anderen Seite der Donau, stand ich schließlich im slowakischen Štúrovo, das seit 2001 wieder über die neu errichtete Maria-Valeria-Brücke mit Esztergom verbunden ist – Jahrzehnte nachdem die ursprüngliche Brücke im Zweiten Weltkrieg zerstört worden war. Von hier aus eröffnete sich mir ein nahezu perfektes Panorama: Im Vordergrund glitt die Donau ruhig und breit dahin, darüber erhoben sich majestätisch die gewaltige Basilika und daneben die Burg auf dem Hügel. Der Himmel zeigte sich wolkenlos, und ein lupenreiner Sonnenuntergang tauchte die gesamte Szenerie zuerst in warmes Gold und sanfte Rottöne, nur um in eine perfekte Blauen Stunde überzugehen. In diesem Moment verschmolzen Fluss, Architektur und Licht zu einem Anblick, der sich unauslöschlich einprägte. Im Anschluss zog es mich noch einmal hinauf zur Basilika selbst. Hell beleuchtet stand sie nun vor mir, ihre gewaltige Kuppel und die mächtigen Säulen strahlten in das dunkle Blau der Nacht. Aus nächster Nähe wirkte die klassizistische Fassade noch monumentaler, fast ehrfurchtgebietend. Ich nahm mir Zeit, die klaren Linien, die symmetrischen Formen und das warme Licht in Ruhe fotografisch einzufangen. So bekam dieser ohnehin besondere Abend einen würdigen, leuchtenden Abschluss.
Tagesziel: Andau, geplante Strecke: 50 km in 0,5h, Zwischenstopps: Schloss Esterházy, Fertö-Hanság-Nationalpark, Nationalpark Neusiedler See - Seewinkel; Bereits am frühen Morgen war ich schon wieder auf der Straße – ein großes Glück, denn das Farbspiel der endlich wieder aufziehenden Wolken vor Sonnenaufgang war schlichtweg gigantisch. An einer verlassenen Autobahnausfahrt positionierte ich den Globetrotter in der weiten, stillen Landschaft und fing die leuchtenden Rot- und Orangetöne des Himmels ein, die sich langsam über den Horizont legten. Nur wenige Kilometer weiter wollte es der Zufall, dass ich am noch verschlossenen Schloss Esterházy vorbeifuhr. Zusammen mit dem vom nächtlichen Licht erhellten Innenhof wirkte die barocke Anlage beinahe wie eine Bühne, auf der sich Geschichte und Morgenstimmung begegneten. Das im 17. Jahrhundert errichtete Schloss war einst Residenz der einflussreichen Fürstenfamilie Esterházy und entwickelte sich zu einem bedeutenden kulturellen Zentrum Mitteleuropas. Besonders im 18. Jahrhundert erlebte es seine Blütezeit, als der Komponist Joseph Haydn hier viele Jahre wirkte und unzählige Werke schuf. Die prachtvolle Fassade mit ihren symmetrischen Flügeln und der weitläufige Ehrenhof zeugen noch heute vom Reichtum und Selbstbewusstsein der Familie. In der morgendlichen Ruhe, bevor die ersten Besucher eintrafen, hatte der Ort eine beinahe intime Atmosphäre – als hätte ich für einen kurzen Moment allein Zugang zu einem Stück europäischer Kulturgeschichte gehabt. Noch früh am Morgen parkte ich am südlichen Ende des Neusiedler Sees um mich wieder ein wenig der Vogelbeobachtung zu widmen. Dort, am auf ungarische Seite im Fertö-Hanság-Nationalpark genannten Teil konnte ich unter anderem Neuntöter, Löffelreiher, Fasane, Löffelenten und Säbelschnäbler beobachten. Im österreichischen Teil zeigten sich um die Mittagszeit viele Greifvögel und als besonderes Highlight ein Großer Brachvogel. Die abendliche Suche nach Großtrappen im Vogelbeobachtungsgebiet Waasen-Hanság blieb leider erfolglos.
Tagesziel: Bratislava, geplante Strecke: 100 km in 1h, Zwischenstopps: Waasen – Vogelbeobachtung, Fertö-Hanság-Nationalpark, Thebener Kogel – Sandberg; Am frühen Morgen versuchte ich noch einmal mein Glück, die Großtrappen vor die Linse zu bekommen. Doch die scheuen, meist am Boden lebenden Vögel blieben auch an diesem Tag unsichtbar. Stattdessen durfte ich von einem erhöhten Aussichtspunkt das langsame Erwachen der Natur erleben – Nebelschwaden über den Wiesen, erste Rufe aus dem Schilf, ein leises Rascheln im Gras. Manchmal ist genau diese Stille das eigentliche Geschenk. Zurück auf der ungarischen Seite streifte ich durch den bewaldeten Teil des Fert?-Hanság-Nationalparks, wo vor allem das rhythmische Klopfen der Buntspechte den Morgen begleitete. Der Wanderpfad führte durch ursprüngliche Erlenwälder, bis sich die Landschaft plötzlich zu einer offenen Moorfläche mit vereinzelten Baumgruppen öffnete. Dort zeigten sich endlich auch die ersehnten Seeadler: Vier saßen gleichzeitig auf einem kahlen Laubbaum in der Ferne, während zwei weitere hoch über der weiten Ebene ihre Kreise zogen – ein beeindruckender Anblick in dieser stillen Weite. Den Nachmittag verbrachte ich schließlich am letzten Vogelbeobachtungspunkt dieser Tour, dem Thebener Kogel. Der markante Hügel am Rand der Kleinen Karpaten besteht aus uralten Gesteinen, die in der frühen Erdgeschichte entstanden und heute als Ausläufer der alpinen Gebirgsbildung sichtbar sind. Seine geologische Vergangenheit spiegelt sich in den freigelegten Felsformationen und dem steinigen Untergrund wider. Die dort ansässige Bienenfresserkolonie war – wie bereits vermutet – längst in ihre afrikanischen Winterquartiere gezogen. Dennoch war die Wanderung hinauf auf den Hügelkamm lohnend, denn von oben bot sich ein weiter Blick über die Donauauen und die sanft geschwungene Landschaft – ein ruhiger, würdiger Abschluss meiner Naturbeobachtungen. Rechtzeitig zum Sonnenuntergang fand ich in Bratislava wider Erwarten doch noch einen Parkplatz am Donauufer. Die Burg Bratislava thronte auf der gegenüberliegenden Seite als barockes Schloss 85 Meter über der Donau und gilt als das weithin sichtbares Wahrzeichen der slowakischen Hauptstadt. Gerne hätte ich die Stadt ein wenig erkundet, mangels guten Übernachtungsmöglichkeiten in Stadtnähe machte ich mich allerdings zeitnah auf den Weg Richtung Tschechien.
Tagesziel: Prag, geplante Strecke: 330 km in 4h, Zwischenstopps: Sedlec-Ossarium; Als Zwischenstopp auf dem Weg zur letzten europäischen Hauptstadt hatte ich mir ein Ticket für das Sedlec-Ossarium gebucht. Das Beinhaus von Sedlec ist eine weltberühmte Knochenkirche, die mit den Gebeinen von etwa 40.000 bis 70.000 Menschen künstlerisch ausgestaltet ist. Die Gebeine stammen hauptsächlich aus dem 14. und 15. Jahrhundert (Pest/Hussitenkriege) und wurden im 19. Jahrhundert vom Holzschnitzer František Rint zu Kronleuchtern, Wappen und Girlanden arrangiert. Das Fotografieren ist dort nicht mehr erlaubt, seit vor ein paar Jahren unangebrachte Posen und manipulierte Bilder erstellt wurden. Entsprechend kurzweilig war mein Besuch dieser etwas anderen Station der Tour. Da ich auf dem Umweg auch noch 12 Euro für das Durchfahren einer gesperrten Straße bei einer Polizeikontrolle blechen durfte, startete der Tag nicht ganz so lustig. Besserung war allerdings auch schon in Sicht. In Prag fand ich einen perfekten Übernachtungsplatz für Wohnmobile in unmittelbare Nähe des Stadtzentrums. Wenn ich mir etwas weniger Fotospots ausgesucht hätte, wäre ich wohl zu Fuß gegangen. Bei der Fülle an interessanten Orten und Sehenswürdigkeiten nutzte ich aber gern wieder das Mountainbike. Am frühen Nachmittag erkundete ich bei wolkenverhangenem Himmel die ersten Fotospots. Zuerst machte ich mich auf die Suche nach dem Aussichtspunkt, von dem man die vielen unterschiedlichen Moldau-Brücken überblicken kann. Zum Glück fand ich ihn frei zugänglich am Hanau-Pavillon, von wo sich ein beeindruckendes Panorama über die Stadt eröffnete. Die Bögen der Brücken spannten sich wie aneinandergereihte Kapitel Geschichte über den Fluss. Anschließend führte mich mein Weg hinauf zur Prager Burg. Dort begrüßte mich zuerst das Lustschlösschen der Königin Anne, den Letohrádek královny Anny, ein elegantes Renaissancejuwel auf dem Prager Hrad. Es gilt als eines der bedeutendsten Beispiele der Renaissancearchitektur nördlich der Alpen und beeindruckt mit seinen filigranen Arkaden und harmonischen Proportionen. Direkt daneben erstreckt sich der Königliche Garten, der im 16. Jahrhundert angelegt wurde und mit gepflegten Rasenflächen, exotischen Pflanzen und stillen Wegen eine grüne Oase bildet. Unweit davon steht das historische Ballhaus, das einst für höfische Feste und Spiele genutzt wurde und heute als Ausstellungsraum dient. Auch der Präsidentensitz befindet sich im Burgareal, denn die Prager Burg ist bis heute offizieller Amtssitz des tschechischen Staatsoberhauptes. Ihre Ursprünge reichen bis ins 9. Jahrhundert zurück, als die ersten Befestigungen errichtet wurden. Im Laufe der Jahrhunderte wuchs sie zu einem weitläufigen Komplex aus Palästen, Kirchen und Höfen heran. Im Zentrum des Areals erhebt sich der imposante Veitsdom, dessen Bau im Jahr 1344 unter Kaiser Karl IV. begann. Die gotische Kathedrale wurde jedoch erst im 20. Jahrhundert vollendet, was ihr eine architektonische Vielfalt über mehrere Epochen hinweg verleiht. Besonders eindrucksvoll sind die farbenprächtigen Glasfenster, darunter auch ein modernes Werk von Alfons Mucha. Im Inneren befinden sich die Grabstätten böhmischer Könige und römisch-deutscher Kaiser. Die Burg selbst gilt als eines der größten geschlossenen Burgareale der Welt. Ihre Mauern spiegeln die Geschichte Böhmens wider – von der P?emysliden-Dynastie über die Habsburger bis zur modernen Republik. Trotz der vielen Besucher lag eine besondere Atmosphäre über den Höfen, die im Laufe des Abends immer ruhiger wurden. Am mittlerweile trüben Vorabend hatte ich großen Spaß daran, mit langen Belichtungszeiten zu experimentieren. Die ziehenden Wolken verwandelten sich in weiche Schleier am Himmel, während die beleuchteten Fassaden der Burg in sanftem Licht erstrahlten. Vorübergehende Menschen erschienen auf den Bildern nur noch als schemenhafte Gestalten, fast wie Geister, die durch die Geschichte der Mauern wanderten. So bekam dieser Ort nicht nur historisch, sondern auch fotografisch eine ganz eigene, beinahe magische Dimension. Am Schwarzen Turm, dem östlichen Ausgang der Burg, bot sich ein weiter Blick über die roten Dächer der Altstadt bis hin zur ruhig dahinfließenden Moldau. Von hier oben wirkte Prag wie ein lebendiges Gemälde, durchzogen von Türmen, Kuppeln und den geschwungenen Linien des Flusses. Viel Zeit nahm ich mir anschließend für die weltberühmte Karlsbrücke. Zunächst fotografierte ich sie vom Ufer der Moldau aus, wo sich die Bögen majestätisch im Wasser spiegelten und die Türme wie Wächter über dem Fluss standen. Später mischte ich mich direkt ins Gewühl der Menschenmenge auf der Brücke, stellte mein Stativ zwischen Pflastersteinen und Figuren auf und arbeitete mit Filtern für lange Belichtungszeiten. Während um mich herum das geschäftige Treiben pulsierte, verwandelten sich die Passanten auf meinen Aufnahmen in fließende Schatten. Bis zur einsetzenden Dunkelheit blieb ich dort, beobachtete, wie die Laternen warm aufleuchteten und die Karlsbrücke Schritt für Schritt in ein atmosphärisches Lichtermeer tauchten. Die Karlsbrücke wurde im Jahr 1357 unter Kaiser Karl IV. als steinerner Nachfolger der Judithbrücke begonnen, die zuvor von einem Hochwasser zerstört worden war. Über Jahrhunderte hinweg war sie die einzige feste Verbindung zwischen Altstadt und Kleinseite und damit das wichtigste Tor zur Stadt. Händler, Könige und ganze Krönungszüge zogen über ihr Pflaster, wodurch sie zu einer Lebensader Prags wurde. Ihre 30 barocken Heiligenfiguren, die ab dem 17. Jahrhundert ergänzt wurden, verliehen ihr nicht nur religiöse Bedeutung, sondern auch repräsentativen Glanz. Bis ins 19. Jahrhundert war sie Teil der sogenannten Königsstraße – jenes feierlichen Weges, den die böhmischen Herrscher auf dem Weg zur Krönung auf der Prager Burg beschritten. Auf dem Rückweg zum Globetrotter kundschaftete ich noch weitere Fotolocations des nächsten Tages aus und freute mich auf einen frühen Morgen in dieser Stadt.
Tagesziel: Burg Loket, geplante Strecke: 150 km in 2h, Zwischenstopps: Karlsbad; Die Lichter Prags, der Stadt der hundert Türme und Brücken genoss ich am frühen stillen Morgen kurz vom mir mittlerweile bekannten Aussichtspunkt. Rechtzeitig zur blauen Stunde fand ich mich dann aber schon in der Prager Altstadt wieder. Der Altstädter Ring lag noch fast menschenleer vor mir, als hätte die Stadt für einen kurzen Moment den Atem angehalten. Als ältester Platz Prags ist er seit dem Mittelalter das Herz der Stadt – Schauplatz von Märkten, Festen, aber auch von Aufständen und Hinrichtungen. Die pastellfarbenen Fassaden der Bürgerhäuser leuchteten sanft im kühlen Licht, während sich über ihnen die Türme wie eine steinerne Krone erhoben. Unübersehbar ragt das Altstädter Rathaus mit seiner berühmten astronomischen Uhr empor. Die Prager Rathausuhr, 1410 erstmals in Betrieb genommen, zählt zu den ältesten noch funktionierenden astronomischen Uhren der Welt. Neben der Anzeige von Stunden und Minuten zeigt sie auch die Position von Sonne und Mond, die Tierkreiszeichen sowie die alte böhmische Zeitrechnung. Zur vollen Stunde setzen sich die Apostelfiguren in Bewegung, während darunter allegorische Gestalten wie der Tod an der Glocke ziehen. Selbst im Morgengrauen, wenn noch kaum Besucher dort stehen, strahlt sie eine beinahe mystische Faszination aus. Gegenüber erhebt sich die Teynkirche mit ihren markanten, ungleich hohen Türmen, die wie dunkle Flammen in den Himmel ragen. Ihr gotisches Erscheinungsbild prägt seit dem 14. Jahrhundert die Silhouette des Platzes und diente einst als Hauptkirche der hussitischen Bewegung. Nicht weit entfernt steht die barocke St.-Nikolaus-Kirche, deren helle Fassade und elegante Kuppel einen harmonischen Kontrast zur strengen Gotik bilden. Gemeinsam formen diese Bauwerke ein architektonisches Ensemble, das die wechselvolle Geschichte Böhmens widerspiegelt. Über die schmale Karlova-Straße, einst Teil des königlichen Krönungswegs, schlenderte ich weiter in Richtung Moldau. Das Kopfsteinpflaster glänzte noch leicht vom Tau, und die ersten Sonnenstrahlen tasteten sich vorsichtig zwischen die Häuser. Schließlich erreichte ich die Karlsstatue vor der Brücke, die an ihren berühmtesten Bauherrn erinnert. Durch den Altstädter Brückenturm, dessen gotische Ornamente im weichen Morgenlicht besonders plastisch wirkten, betrat ich erneut die Karlsbrücke. Die Statuen entlang der Brüstung lagen nun im warmen, goldenen Licht der aufgehenden Sonne. Jeder Heilige, jede Figur erzählte stumm ihre eigene Geschichte, während unter mir die Moldau gemächlich dahinfloss. Für einen kurzen Moment gehörte dieser weltberühmte Ort gefühlt nur mir und dem leisen Erwachen der Stadt. Prag zeigte sich in diesem Augenblick nicht als touristisches Postkartenmotiv, sondern als lebendige, geschichtsträchtige Seele aus Stein, Licht und Zeit. Gegen Nachmittag schwenkte das Wetter nun endgültig um. Bei spätherbstlichen Temperaturen und einem grauen, tiefhängenden Himmel erreichte ich Karlsbad. Ein kühler Wind zog durch das Tal der Teplá, und der Kurort wirkte beinahe ein wenig entrückt, als würde er sich langsam in die ruhigere Jahreszeit verabschieden. Entlang der eleganten Kolonnaden dampfte das heiße Thermalwasser aus den Brunnen, während sich vereinzelt Kurgäste mit ihren charakteristischen Keramikbechern von Quelle zu Quelle bewegten. Diese typischen Karlsbader Oblaten und die Schnabeltassen – oft liebevoll verziert und mit einem kleinen Trinkröhrchen versehen – gehören hier einfach dazu. Die Oblaten, hauchdünn, rund und meist mit Nuss-, Vanille- oder Schokoladenfüllung, werden seit dem 19. Jahrhundert gebacken und sind bis heute ein süßes Wahrzeichen der Stadt. Ursprünglich wurden sie als leichte Zwischenmahlzeit für die Kurgäste gereicht, heute sind sie aus keinem Spaziergang durch die Innenstadt wegzudenken. Karlsbad selbst, gegründet im 14. Jahrhundert unter Kaiser Karl IV., entwickelte sich rasch zu einem der bedeutendsten Kurorte Europas. Dichter, Komponisten und Staatsmänner – von Goethe bis Beethoven – flanierten einst über die prächtigen Promenaden. Die pastellfarbenen Jugendstil- und Neorenaissancefassaden verleihen der Stadt bis heute ein mondänes Flair. Trotz des ungemütlichen Wetters hatte der Ort mit seinen geschwungenen Kolonnaden, dem aufsteigenden Dampf und dem Duft frischer Oblaten eine ganz eigene, fast nostalgische Atmosphäre, welche ich bei einer Wanderung zu einem Aussichtpunkt hoch über den Dächern gut einfangen konnte. Noch am Abend erreichte die letzte Burg dieser Tour. Hoch über einer engen Flussschleife der Eger erhebt sich die Burg Loket wie ein steinernes Bollwerk aus einer anderen Zeit. Bereits im 12. Jahrhundert gegründet, diente sie lange als königliche Grenzfestung zum Schutz des böhmischen Reiches. Ihre massiven Mauern und der wuchtige Turm erzählen von Macht, Kontrolle und Jahrhunderten wechselvoller Geschichte. Nach einem verheerenden Brand im Jahr 1725 verlor die Burg jedoch zunehmend an Bedeutung. 1822 wurde sie schließlich zu einem Gefängnis umgebaut – eine Funktion, die sie bis 1948 beibehielt. Damit war sie auch während des Zweiten Weltkriegs als Haftanstalt in Betrieb, und ihre dicken Mauern schlossen nun nicht mehr Ritter oder Adlige ein, sondern Gefangene verschiedenster Herkunft. Die kalten Zellen, schmalen Fenster und schweren Türen lassen bis heute erahnen, wie hart und trostlos der Alltag hier gewesen sein muss. Als ich am späten Abend vor der Burg stand, zogen dunkle Wolken in raschem Tempo über den Himmel. Die düstere Stimmung passte auf beinahe unheimliche Weise zur Geschichte dieses Ortes – als hätten die Mauern selbst all das Leid und die Schwere der vergangenen Jahrhunderte gespeichert. Zwischen Windböen und ziehenden Schatten wirkte Loket weniger wie eine romantische Mittelalterburg, sondern vielmehr wie ein stiller, ernster Zeuge der Zeit.
Tagesziel: Schönfeld, geplante Strecke: 50 km in 0,5h, Zwischenstopps: keine; Krásno oder Schönfeld, wie ich es aus Erzählungen kenne, ist der Geburtsort meines Großvaters. Entsprechend wollte ich diesen Ort schon seit einer ganzen Weile besuchen und an diesem Tag war es dann endlich soweit. Schönfeld, ein kleines Dorf im damaligen Sudetenland, war über Jahrhunderte hinweg von deutschsprachiger Bevölkerung geprägt. Wie viele Orte in den Grenzregionen Böhmens gehörte es bis 1918 zur Habsburgermonarchie und wurde nach dem Ersten Weltkrieg Teil der neu gegründeten Tschechoslowakei. Die politischen Spannungen zwischen der tschechischen Regierung und der deutschen Minderheit nahmen in den 1930er-Jahren zu, bis das Gebiet 1938 infolge des Münchner Abkommens dem Deutschen Reich angegliedert wurde. Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 kehrte das Sudetenland zur Tschechoslowakei zurück – und für die deutschstämmige Bevölkerung begann eine dramatische Zeit. Auf Grundlage der sogenannten Beneš-Dekrete wurden die meisten Deutschen enteignet und vertrieben. Auch in Schönfeld mussten viele Familien innerhalb kürzester Zeit ihre Häuser, Höfe und ihre gesamte Existenz zurücklassen. Die Transporte führten meist in die späteren Besatzungszonen Deutschlands oder nach Österreich. In der Ortschaft selbst – übrigens einer der ältesten Bergstädte Böhmens – leben heute nur noch rund 600 Einwohner. Entsprechend überschaubar war das, was es zu erkunden gab, und doch lag über den schmalen Gassen ein stiller, fast zeitloser Charme. Hoch oben auf einer Anhöhe über dem Ort erhebt sich jedoch ein steinerner Aussichtsturm, den ich bereits von Fotografien kannte – und dessen kleines Zinnmodell sogar bei mir zu Hause im Regal steht. Trotz eines vollkommen verregneten und kalten Tages machte ich mich auf den Weg dorthin. Der von moosüberdeckten Ästen und Steinen umsäumte Pfad führte durch einen dunklen Wald entlang eines künstlich angelegten Flößgrabens, der einst für den Bergbau genutzt wurde und noch heute von der industriellen Vergangenheit der Region erzählt. Tropfen fielen gleichmäßig von den Ästen, während ich Schritt für Schritt dem Turm näherkam. Am Aussichtspunkt angekommen, stieg ich die spiralförmig um den Turm verlaufenden steinernen Stufen hinauf. Oben angekommen erwartete mich – nichts. Dichte Nebelschwaden verschluckten jede Aussicht, ließen die Landschaft unsichtbar werden und hüllten alles in milchiges Grau. Und doch hatte dieser Moment seinen ganz eigenen Reiz: eine stille, fast mystische Atmosphäre, in der weniger das Panorama zählte als das Gefühl, dort oben zu stehen.
Am Abend dieses vorletzten Tags meines Fotoabenteuers war die Anzahl geschossener Fotos und die Anzahl zurückgelegter Fahrt-Kilometer fast genau identisch. Der Tacho zeigte 6303 Kilometer an, mein Bildbearbeitungsprogramm 6306 Fotos. Ein wirklich lustiger Zufall, der mir beim Ablesen des Kilometerstands am letzten Tankstopp der Tour und der Bearbeitung der Bilder an diesem verregneten Tag aufgefallen ist. Pro Kilometer also ein Foto.
Tagesziel: Bamberg, geplante Strecke: 150 km in 2h, Zwischenstopps: keine; Hach, Bamberg! Wie immer so schön! Das Frühstücken, Quatschen und Zusammensitzen mit Tante, Onkel und Cousin – einfach perfekt. Bamberg diesmal ganz bewusst mit der Kamera in der Hand und mit zwei großartigen „Fremdenführern“ an meiner Seite zu entdecken, machte riesig Spaß und ließ mich die Stadt noch einmal neu sehen. Unser Weg führte uns zunächst über den Grünen Markt, das geschäftige Herz der Altstadt. Zwischen Marktständen, Cafés und historischen Fassaden entdeckten wir auch den „Gabelmoo“, jene sagenumwobene Figur im Neptun-Brunnen, die einen Mann mit einer Gabel zeigt – halb Spottfigur, halb Wahrzeichen, um das sich bis heute kleine Anekdoten und Legenden ranken. Überhaupt spürt man hier auf Schritt und Tritt, dass Bamberg keine gewöhnliche Stadt ist. 1993 wurde die Altstadt zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt – als eines der größten unversehrt erhaltenen historischen Stadtzentren Europas. Ein Pflichtstopp war natürlich das Schlenkerla in der Dominikanerstraße. Das berühmte Rauchbier, nach alter Tradition über Buchenholz geräuchert, polarisiert – und begeistert. Für mich zählt es ganz klar zu den besten Bieren überhaupt. In den dunklen Stuben mit ihren niedrigen Decken fühlt man sich unweigerlich um Jahrhunderte zurückversetzt, als Händler, Handwerker und Reisende hier einkehrten. Hoch über der Stadt thront der Bamberger Dom, eines der bedeutendsten Bauwerke der deutschen Spätromanik. Er wurde im 13. Jahrhundert geweiht und beeindruckt mit seinen vier markanten Türmen, die das Stadtbild prägen. Im Inneren befindet sich der berühmte „Bamberger Reiter“, eine der rätselhaftesten mittelalterlichen Skulpturen Europas, sowie das Grab des einzigen heiliggesprochenen Kaiserpaares des Heiligen Römischen Reiches, Heinrich II. und Kunigunde. Bamberg selbst wurde im Jahr 1007 von Heinrich II. zum Bistum erhoben und entwickelte sich rasch zu einem geistlichen und politischen Zentrum. Nicht weniger ikonisch ist das Alte Rathaus, das malerisch mitten in der Regnitz auf einer künstlichen Insel steht. Der Legende nach verweigerte der Bischof den Bürgern Bauland für ein Rathaus, woraufhin sie es kurzerhand selbst im Fluss errichteten. Die farbenfrohen Fassadenmalereien und die filigranen Fachwerkaufbauten verleihen dem Gebäude eine fast märchenhafte Erscheinung. Es ist ohne Zweifel eines der absoluten Wahrzeichen Bambergs – und ein Motiv, das man einfach immer wieder fotografieren möchte. Zwischen Flussarmen, Brücken, Kirchen und verwinkelten Gassen verbindet Bamberg fränkische Gemütlichkeit mit großer Geschichte. Und genau das macht jeden Besuch – ob mit oder ohne Kamera – aufs Neue besonders. Der Tag war ein würdiger Abschluss eines abenteuerlichen Roadtrips mit dem Globetrotter durch die faszinierende Welt des östlichen Europas – eine Reise, die Kultur, Geschichte und unberührte Natur auf wunderbare Weise miteinander verband. Jeder Kilometer hielt neue Eindrücke, Geschichten und Fotomotive bereit. Die Begegnungen mit Menschen und die stillen Momente inmitten unberührter Natur fügten sich zu einem bunten Mosaik aus Erlebnissen. Wenn ich zurückblicke, spüre ich noch die Aufregung auf engen Bergpfaden, das Staunen vor historischen Fassaden und Gemäuern, das Raunen der Flüsse und das Spiel von Licht und Schatten über weiten Landschaften. All diese Eindrücke machten den Roadtrip nicht nur zu einer Reise durch Länder, sondern auch zu einer Reise durch Zeit, Traditionen und die Seele einer ganzen Region. Am Ende stand die leise Gewissheit, dass solche Erlebnisse weit über die Erinnerungen hinaus in Herz und Kopf nachklingen – und dass das Abenteuer östliches Europa immer noch unzählige weitere Geschichten bereithält.
Tagesziel: die Heimat, geplante Strecke: 170 km in 2h, Zwischenstopps: keine; Pünktlich zur früh samstagsmorgendlichen Lieferung der Semmeln und der Zeitung erreichte ich die Heimat im schönen Spessart.

Abenteuerroadtrip östl. Europa - Fotoalben